Erschienen in: P&A Juli 2011, S. 27
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Die Evolution des Standards

Kundenspezifisches Engineering als Mehrwert

Standard-Produkte sind mehr oder weniger austauschbar. Verknüpft man einzelne Komponenten zu Systemlösungen, ergeben sich jedoch besondere, teils kundenspezifische Lösungen. Bürkert treibt diese „Evolution der Standard-Produkte“ in den so genannten Systemhäusern voran. *  Text: Susanne Nördinger, P&A bilder: Bürkert  

Bürkert bietet mit Ventilen, Sensoren und Reglern ein sehr umfassendes Produktprogramm und beliefert um die 300 verschiedene Branchen. „Wir decken den gesamten Prozess rund um das Arbeiten mit fluiden Medien ab“, erklärt Geschäftsführer Heribert Rohrbeck. Und da die einzelnen Komponenten alle aufeinander abgestimmt seien, fragten viele Kunden nach individuellen Systemlösungen. Bereits Anfang der 90er Jahre hat Bürkert begonnen, solche kundenspezifischen Lösungen zu entwickeln. „Mittlerweile verkaufen wir 30 Prozent unserer Produkte im Rahmen einer Systemlösung“, so Rohrbeck. Um diesem Auftragsvolumen nachzukommen, hat Bürkert an drei deutschen Standorten sowie in Charlotte (USA) und Suzhou (China) sogenannte Systemhäuser aufgebaut. In den Systemhäusern entwickeln interdisziplinäre Teams die angefragten kundenspezifischen Lösungen. Dabei lautet die interne Vorgabe, nach einer Kundenanfrage innerhalb von 48 Stunden einen ersten Lösungsvorschlag zu generieren. „Das kann eine Handzeichnung sein, aber auch eine 3D-Skizze“, berichtet Josip Martis, Manager des Systemhauses Process. Um diese Zeitschiene einhalten zu können, arbeiten – je nach Komplexität der Aufgabenstellung – teils von Anfang an auch Experten aus anderen Bürkert-Abteilungen an der Systemlösung mit. „Meist führt das Zusammentragen von Wissen aus unseren sechs Segmenten zur entsprechenden Lösung, wir binden daher den Vertrieb und den entsprechenden Segmentmanager mit ein“, erläutert Martis. Dabei handelt es sich um die Segmente Hygienic Processing, Steam, Gas Handling, Water Treatment, Cooling Systems und Micro Fluidics. Doch auch die Systemhäuser selbst sind nach Themengebieten aufgeteilt. So liegt in Dresden der Schwerpunkt auf elektrischen Fluidsystemen sowie Software- und Elektronikentwicklung, in Dortmund auf Schaltschrankbau- und Schweißtechnik, in Ingelfingen in der Frästechnik und in Criesbach in der Systementwicklung und Kalkulation sowie der Prototypenherstellung und Kleinstserienfertigung. Die kurzen Wege zum Werkzeugbau und zur Serienfertigung bei Bürkert erleichtern die Erstellung von Funktionsmustern und Prototypen. Mit einem Rapid-Prototyping-Drucker lassen sich Musterteile sogar innerhalb eines Arbeitstages herstellen. Zu einem vor kurzem realisierten Projekt zählt ein Ventil für ein Nagelsetzgerät von Hilti, das bis zu 1.000 Setzungen pro Stunde möglich macht. Dieses Ventil dosiert eine kleine Gasmenge in die Brennkammer, wo das Gas entzündet wird. Durch die Verbrennung wird dann ein Kolben beschleunigt, der den Nagel in den Untergrund schlägt. „Es gibt eigentlich immer eine Lösung, oder zumindest eine Machbarkeitsstudie, die wir durchführen können“, fasst Martis zusammen. „Denn wir haben innovative Produkte, und die sind der Anfang in der Evolution bis zur Systemlösung.“☐

Das Systemhaus Ingelfingen bietet Möglichkeiten zum Rapid Prototyping.
Kernkompetenz im Systemhaus Dresden sind komplexe Steuer-Regelsysteme im Bereich Elektronik und Software.

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