Erschienen in: P&A März 2010, S. 33
P&V  |  

Dichtung und Klarheit

Markierungen von Elastomerbauteilen bringen Sicherheit für Anlagenbetreiber

Eindeutige Markierungen bringen Fälschungssicherheit, die in der Prozessindustrie eine immer wichtigere Rolle spielt. Mit dem Safe-Verfahren können künftig Elastomerbauteile markiert werden, um Nachahmungen zu enttarnen. *  Text: Christian Geubert, Freudenberg Process Seals Fotos: Freudenberg

Mit dem zum Patent angemeldeten Safe-Verfahren (Secure Adaptive Freudenberg Encryption) von Freudenberg ist es erstmals möglich, die Sicherheitsvorteile der Produktkennzeichnung auch für Elastomerbauteile wie O-Ringe, Membranen, Klappendichtungen, Simmerringe und Elastomerverbundteile nutzen zu können. Damit werden die Identifikation von Werkstoffen, individuelle Rückverfolgbarkeit, Garantieabsicherungen und der Schutz vor Falsifikaten nun auch im Dichtungsbereich möglich. Die Safe-Produktkennzeichnung schützt vor allem Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie vor unberechtigten Ansprüchen. Denn es zeigt sich, dass die Verwendung von Nachahmerprodukten in der Ersatzteilbeschaffung durch die Anlagenbetreiber erhebliche Risiken für Maschinenhersteller bedeuten. Die Kennzeichnung per Laser bietet mit Informationen über Artikelbezeichnung, Bauform, Abmessung, Elastomermaterial, Herstellungsdatum und Seriennummer eine eindeutige Produktkennzeichnung für die sichere Rückverfolgbarkeit und zur Abgrenzung gegen Fälschungen. Dabei ist Safe dank zwei verschiedener Formen individuell an das Produkt anpassbar. Neben einem rechteckigen, flachen Code ist auch eine gekrümmte Kennzeichnung möglich – beispielsweise für O-Ringe. In beiden Fällen ist die Lesbarkeit selbst dann noch möglich, wenn 70 Prozent der Kennzeichnung, beispielsweise durch Verschleiß, zerstört sind. Beim Markierungsprozess wird der Code mit einem Laser in die Dichtung appliziert. Die entsprechenden Daten werden anschließend auf einem zentralen Server gespeichert. Eine makroskopische Aufnahme zeigt den in das HNBR-Elastomer eines Radialwellen-Dichtrings eingebrachten Code. Die Markierfeld-Größe beträgt in diesem Fall 1,2 x 8 mm. In diesem Code ist die im Bild gezeigte 24-stellige Zahlenfolge verschlüsselt. Bei der Auslesung wird der Code auf der Dichtung mit Hilfe einer speziellen Kamera erfasst und auf einem dezentralen Rechner erkannt. Hieraus können erste Informationen über Bauform und Elastomer der Dichtung geschlossen werden. Diese Informationen sind relevant für eine erste Evaluierung der ausgelesenen Dichtung. Zudem bietet sich hier die Möglichkeit, weiterführende anwendungsunterstützende Prozesse zu implementieren. So kann beispielsweise ein Anwender die Werkstoffdaten des ausgelesenen Bauteils in einer Datenbank nachschlagen. Die komplette Dechiffrierung des Codes erfolgt auf dem zentralen Server. Ein Datenabgleich erlaubt in diesem Stadium weitergehende Rückschlüsse, zum Beispiel über Produktionsdaten des ausgelesenen Bauteils. Hiermit ist es möglich, eventuelle 1:1-Kopien eines Codes und dessen Aufbringung auf andere Bauteile anhand Plausibilitätsabgleich auszuschließen. Welch hohen Stellenwert diese Produktmarkierung hat, zeigt das Beispiel eines Radialwellendichtrings. Solche Wellenabdichtungen sind Schlüsselstellen in Getrieben, Rührwerken, Differenzialen und Motoren. Undichtigkeiten führen nicht nur zu Leckage, sondern können leicht das Image des Maschinen- oder Komponentenherstellers beschädigen. Hersteller von Antriebsmaschinen und -komponenten setzen sich einerseits durch die Beschaffung gefälschter Produkte erheblichen Risiken aus, aber andererseits kann auch die Verwendung von Nachahmerprodukten als Ersatzteile durch Maschinenbetreiber durch ungerechtfertigte Forderungen erhebliche Schäden verursachen. Eine aktuelle Untersuchung eines Wellendichtring-Plagiats im direkten Vergleich zu einem Original-Simmerring zeigt, welche Risiken sich dahinter verbergen können.

Per Laser wird ein wenige Millimeter großer eindeutiger Code aufgetragen, der später per Kamera ausgelesen werden kann.

Versagen vorprogrammiert

Die Prüfparameter für diesen Vergleichstest waren nicht sehr anspruchsvoll: bei einer Drehzahl von 3.000 U/min wurden beide Radialwellendichtringe bei einem Innendruck von 0,3 bar einer Laufzeit von 24 h ohne Pause unterzogen. Wellenversatz und Wellenschlag betrugen je 0,1 mm. Zur vergleichenden Analyse wurden Leckage, Verschleiß und eine optische Befundung der Dichtkante herangezogen. Die Messergebnisse zeigen drastisch, wie schnell das Plagiat an seine Versagensgrenze kommt.Unter diesen als normal zu bezeichnenden Testbedingungen weist das Plagiat schon nach 24 Stunden ernst zu nehmende Rissbildung, großen Abrieb und verstärkte Rillenbildung auf. Der den gleichen Testbedingungen unterworfene Original-Simmerring hingegen ist wie neu. Ein extremes Gefahrenmoment entsteht bei der Fälschung durch den erkennbar starken Elastomerabrieb bereits nach diesem Kurztest. Das Elastomer der Fälschung beginnt im Dichtspalt sogar zu fließen. Das Versagen dieses Radialwellendichtrings nach nur kurzer Betriebszeit ist so vorprogrammiert. Der Original-Simmerring hingegen weist keinerlei Abriebspuren auf, auch ist die Laufspuroberfläche noch völlig glatt. Deutlich wird damit, wie eine Produktkennzeichung das tribologische System komplettieren kann und den Herstellern von Armaturen, Maschinen und Apparaten somit ein Dichtsystem zur Verfügung steht, das deren hohen Qualitätsanforderungen zuverlässig gewachsen ist. Safe ermöglicht es, etwaige Nachahmerprodukte mit hohem Risikopotenzial von den Original-Freudenberg-Produkten zu unterscheiden. Für Maschinenhersteller bietet das Verfahren ein Höchstmaß an Sicherheit: Neben der sicheren Rückverfolgbarkeit ist die Ausweitung von Garantiezusagen ein wesentlicher Vorteil für die Hersteller von Maschinen. Darüber hinaus können auch unberechtigte Garantieansprüche auf einfache Weise abgewiesen werden, denn Nachahmerprodukte und Ersatzteil-Falsifikate werden jederzeit identifiziert. Um all diese Vorteile zu gewährleisten, wurde bei der Entwicklung sichergestellt, dass die Markierungen auch nach jahrelanger Anwendung noch auslesbar sind – selbst bei unsachgemäßer Quellung. Auch die Abreinigbarkeit der markierten Dichtungen ist sichergestellt. Nach Tests waren markierte Dichtungen genau so leicht reinigbar wie eine gerade, sehr glatte Rohrleitung (Ra = 0,5 – 0,7 μm). Das heißt, die Strukturierung der Laser-Markierung erhöht keinesfalls das Risiko einer Verkeimung von prozesstechnischen Anlagen.☐

• more@click-Code: PA210601

Kontaktdaten

Freudenberg Process Seals GmbH & Co. KG
Lorscher Straße 13
69469 Weinheim
Deutschland
T +49-6201-808919-0
F +49-6201-73830-32
E-Mail schreiben
zur Website
GO TOP

Ähnliche Artikel

P&V | Fachbericht

Bitte melde dich

Aktuelles Kompendium

P&A-Reportage

P&A-Spezial

Businessprofile

P&A Lexikon

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
SUCHEN