Feinste Materialkörnungen sind gleichbedeutend mit einer extrem vergrößerten, reaktions- (=oxydations-) fähigen Oberfläche. Kommt dazu die geeignete Durchmischung mit Luftsauerstoff, so genügt ein winziges Zündfünkchen, um eine blitzartige Reaktion zu starten: Das Gemisch geht mit zerstörerischer Kraft hoch. Besonders verhängnisvoll ist dabei oft, dass alles jahrelang gut ging und sich die Betreiber in völliger Sicherheit wähnten. Das bedeutet im Umkehrschluss: Alle Verfahren, bei denen staubfeine Partikel als Haupt-, Neben- oder Abfallprodukt entstehen, sollten sehr kritisch neu hinterfragt werden.
Gerätetechnische Verantwortung
Bislang oblag es dem Betreiber als schadenstechnisch Haftender, mit einer aufwändigen Gefahrenanalyse alle Maßnahmen zu ergreifen, die eine solche Explosion mit Sicherheit verhindern. In der betrieblichen Praxis wurde diese Aufgabe jedoch in aller Regel an den Hersteller solcher Anlagen delegiert oder ein Auftrag für eine solche Anlage von der Lösung dieser Fragen abhängig gemacht. So wurden häufig sehr aufwändige Geräte eingesetzt, da es in der Praxis kaum Lösungen gab, die speziell an den Umgang mit Stäuben angepasst waren. Typischer Weise sind Ex-geschützte Geräte für Anwendungen in den unterschiedlichsten Bereichen wie der chemischen Industrie konzipiert, wo erheblich höhere Anforderungen für zündfähige Gase zu erfüllen sind. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder.
Rittal übernimmt nun einen großen Teil dieser Verantwortung für seine Kunden: Die Herborner Spezialisten bieten erstmals Schaltschrank-Kühlgeräte an, die in Zonen mit kurzzeitig auftretenden explosionsfähigen Stäuben eingesetzt werden dürfen. Diese Zonen werden nach EN 50281-1-2 (D) mit der Kennung Zone 22 (ATEX) bezeichnet. Die neuen Geräte sind deutlich kostengünstiger als Spezial-Kühlgeräte mit einer Zulassung, wie diese im Ex-Bereich für zündfähige Gase erforderlich sind – und die bisher die einzige Alternative waren.
Internationales Novum
Die Atex-Kühlgeräte sind als Wandanbaukühlgeräte konzipiert und zunächst für Nutzkühlleistungen von 1.000 W und 1.500 W (L35 L 35) lieferbar. Andere Leistungsklassen sind auf Anfrage erhältlich. Diese Kühlleistungen gliedern sich in insgesamt acht Varianten auf: Jeweils mit Basis- oder Comfortcontroller-Regelung und für 230 V Einphasen- oder 400 V Dreiphasenwechselspannung mit 50/60 Hz. Die Außen- und Montageabmessungen sind identisch, so dass auch nachträglich zwischen den Leistungsklassen gewechselt werden kann (B x H x T = 400 x 950 x 260 mm). Eine spezielle Lüfterkonstruktion sowie eine im Lieferumfang enthaltene Filtermatte sichern den Außenluftkreislauf. Zur Schrankseite hin erfüllt eine spezielle Abdichtung die Ex-Anforderung. Die Schutzart für den Außenkreislauf ergibt sich nach EN 60529/10.91 zu IP 34, für den Innenkreislauf zu IP 54. Die Lüfterleistungen für die Außenkreisläufe sind 900 m³ pro Stunde, für die Innenkreisläufe 600 m³ (1.000 W) oder 800 m³ (1.500 W). Die Kühlgeräte sind für 100 Prozent Einschaltdauer ausgelegt. Regelung und Einstellmöglichkeiten sind aus Sicherheitsgründen zur Schrankinnenseite hin verlagert.
Die neuen, Ex-geschützten Kühlgeräte dieser Klasse bieten die Vorteile der Rinano-Beschichtung. Geliefert wird mit jedem Gerät eine Herstellererklärung für den zugelassenen Einsatz in der Zone 22 (Atex).
Klimageräte mit CO₂als Kältemittel
Die beschriebenen Kühlgeräte nach Atex nutzen als Kältemittel R 143a mit Füllmengen von 325, 500 oder 600 g. Ein europaweites Verbot dieses Kühlmittels ist seit Jahren in der Diskussion. Gerade jüngst wird über einen vorgezogenen, verbindlichen und dabei weltweiten Verzicht in spätestens zehn Jahren in der Presse wieder vermehrt berichtet. Nicht nur Umweltgründe, sondern auch physikalische Überlegungen deuten darauf hin, dass das Kältemittel CO2für die Schaltschrank-Klimatisierung zukünftig die beste Alternative sein kann. (Wegen der relativ hohen Füllmengen bei Schaltschrankkühlgeräten scheiden hier brennbare Gase, wie Methan oder Butan, die bei Haushaltsware verwendet wird, als potenziell zu gefährlich aus.)
Rittal ist bereits für einen „Klimawechsel“ gerüstet und hat seine Entwicklungen bei CO2-Kühlgeräten erfolgreich abgeschlossen. Auf der Hannover Messe 2008 stellte man voll funktionsfähige Dach- und Wandanbaugeräte in dieser Technologie als Seriengeräte vor. Wie bekannt, ist diese „ozonschichtneutral“, da das dafür erforderliche Gas direkt aus der Atmosphäre rückgewonnen wird – also keine zusätzliche Freisetzung aus fossiler Energie verursacht. Wie auch immer die kühltechnische Herausforderung für die Elektrik- und Elektronikkühlung in Gegenwart und Zukunft aussieht: In Herborn hat man die passende Lösung parat.
Dieser Beitrag als PDF und weiterführende Informationen (ähnliche Beiträge, technische Daten, Direktlinks zum Hersteller etc.) sind online verfügbar auf www.PuA24.net
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