(Bild: Michael Brunn, E&E)
Erschienen in: E&E September 2011, S. 11
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Qualitätsmanager mit schmutzigen Händen

Für Andreas Manseder muss Arbeit möglichst technisch und gerne auch schmutzig sein. Uns hat er erklärt, warum dafür die Position des Qualitätsmanagers bei Kunze Folien der richtige Job ist. * Michael Brunn, E&E

Man sollte sich von Andreas Manseders Visitenkarte nicht täuschen lassen: Offiziell ist er bei Kunze Folien als Senior Quality Manager tätig, die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. „Wir sind ein kleines Unternehmen, da sind die Abteilungen nicht so klar getrennt“, erklärt er sein umfassendes Aufgabengebiet. Denn neben dem Qualitätsmanagement und der Qualitätssicherung, die natürlich auch zu seinen Aufgaben gehören, kümmert er sich unter anderem auch um Konstruktion, Simulation, Messungen, Musterbearbeitungen und Kundenberatung. „Es fließt alles ineinander“, beschreibt Andreas Manseder die Arbeitsweise bei Kunze Folien. „In Zusammenarbeit mit anderen Kollegen kümmere ich mich um die technische Beratung und den technischen Support.“ Und Kundenanfragen, die beantwortet werden müssen, erhält Andreas Manseder reichlich. Dabei geht es um die unterschiedlichsten Dinge wie Fragen zum Umweltmanagement, zu Materialien oder zu Messverfahren. Und natürlich ist Andreas Manseder der erste Ansprechpartner, wenn es um Qualität geht: Sei es bei der Wareneingangsprüfungen, bei Stichproben in der Produktion, bei materialspezifischen Messungen oder bei Reklamationen. Zudem muss er die Durchführung und Einhaltung des Qualitätsmanagements überwachen. Dazu muss er sich selber auch immer auf dem Laufenden halten und das notwendige Wissen aneignen. Denn die Karriere von Andreas Manseder begann gamz anders

An das Hochspannungsmeßgerät lässt Andreas Manseder niemanden heran – allerdings nur aus Sicherheitsgründen.

* Michael Brunn, E&E

Alte Bekannte

Ursprünglich absolvierte der 38-jährige eine Ausbildung zum Industriemechaniker für Maschinen- und Systemtechnik beim Flugzeugbauer Dornier. Nach einem kurzen Ausflug in den Getriebebau wollte er etwas ganz anderes machen und übernahm die Bereichsleitung in einem Unternehmen für Reha-Technik. Diese eher kaufmännisch-technische Tätigkeit übte er fast zehn Jahre lang aus. Dann bat ihn sein alter Bekannter Wolfgang Reitberger, Geschäftsführer bei Kunze Folien, im Unternehmen auszuhelfen. Und obwohl Andreas Manseder gar nicht vorhatte, sich beruflich zu verändern, war er plötzlich Produktionsleiter bei Kunze Folien. Und da kurz danach der Qualitätsmanager das Unternehmen verließ, wurde Andreas Manseder aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Thema gefragt, ob er sich noch einmal verändern wollte.

Von seiner Bekanntschaft mit Wolfgang Reitberger abgesehen, hatte er bis dahin auch keine Berührungen mit dem Unternehmen gehabt. Und er kann auch nachvollziehen, dass Wärmemanagement für den Aussenstehenden nicht so interessant klingt. „Aber wenn man in den Projekten mit den Kunden arbeitet, wird die Sache schon viel spannender“, beschreibt er seine eigenen Erfahrungen mit dem Wärmemanagement in der Leistungselektronik. Und auch das enorme Wachstum des Unternehmens in den letzten Jahren macht den Job für Andreas Manseder reizvoll. Als gelernter Industriemechaniker begeistert er sich auch für den Vorrichtungsbau, den man bei Kunze Folien sowohl für den eigenen Bedarf als auch für Kunden durchführt. „Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen auf diesem Gebiet werde ich immer mit in den Konstruktionsprozess eingebunden“, beschreibt Andreas Manseder das Vorgehen. „Auch bei den Fertigungszeichnungen ist mein Know-how gefragt.“ Allerdings hat er sich auch diese Fertigkeit selber angeeignet. Durch permanente Fortbildungen sorgt man im Unternehmen dafür, das der Wissenstand immer auf einem hohen Niveau bleibt. Auf eine gewisse Hands-on-Mentalität legt man bei Kunze Folien viel Wert. Denn ein grundlegendes technisches Verständnis ist für fast alle Aufgaben unerlässlich. „Auf vielen Positionen im Unternehmen arbeiten Techniker, die einen handwerklichen Beruf gelernt haben“, so Andreas Manseder. „Und ich fasse auch heute noch in der Produktion mit an. Ich brauche schmutzige Finger, das gehört dazu.“ Daher lässt sich fast erraten, was ihm an seinem Job weniger gefällt: Die kaufmännischen Tätigkeiten überlässt er lieber den Experten. Er schätzt eher die technischen Aufgaben und den Kontakt zu seinen Kollegen.

Dennoch ist Andreas Manseder auch aktuell in Projekte involviert, die eindeutig nicht technischer Natur sind. Dazu gehören die Einführung des AEO (autorisierter Wirtschaftsbeteiligter) und des „bekannten Versenders“, wo es um die Vereinfachung des Warenverkehrs geht. Hier ist Andreas Manseder zwar nur unterstützend tätig, aber es ist ihm wichtig, sich zumindest das Basiswissen anzueignen. Deutlich aktiver ist er in den zahlreichen Kundenprojekten im Bereich Elektrofahrzeuge, wo es um die Kühlung von Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus geht. Hier hat das Unternehmen eine spezielle Folie entwickelt, die man wohl bald auch in Fahrzeugen erleben wird. Zudem entwickeln Andreas Manseder und seine Kollegen eine neue Befestigungslösung für Halbleiter, die dann auch gebrauchsmusterrechtlich geschützt werden soll.

Trotz der umfassenden Anforderungen hält er das grundlegende technische Verständnis für die wichtigste Grundlage seiner Arbeit. „Wenn ich von Technik keine Ahnung habe, funktioniert das nicht“, erklärt er. „Aber auch Kommunikationsfreude und Kommunikationsfähigkeit sind ganz wichtig, weil man im engen Kontakt mit Kollegen, Zulieferern und Kunden steht.“ Und dann zählt er noch eine Reihe anderer Qualifikationen auf, die aus seiner Sicht für einen Qualitätsmanager unerlässlich sind: Die Fähigkeit, technische Zeichnungen lesen und erstellen zu können, Grundlagen des Vertragsrechts, Englischkenntnisse – da kommt einiges zusammen. „Ein gewisser Forschungstrieb gehört natürlich auch dazu“, erklärt er abschließend. „Man muss immer nach Lösungen und Alternativen suchen.“ Ein Studium sieht Andreas Manseder nicht unbedingt als Voraussetzung, praktische Erfahrung ist aus seiner Sicht ein deutlich größerer Vorteil. Man sollte eben nicht davor zurückschrecken, sich auch einmal die Hände dreckig zu machen.

Und wenn Andreas Manseder das tagsüber im Büro nicht kann, greift er in seiner Freizeit zum Werkzeug und zerlegt sein Motorrad. Das Motorradfahren ist privat seine große Leidenschaft. Und zur Ablenkung vom Büroalltag betätigt er sich sportlich – wenn die Zeit es zulässt. Ein weiteres Motorrad ist auch eines seiner großen Ziele, genau so wie eine Amerikareise mit seiner Freundin. Aber für das Reisen bleibt später immer noch Zeit: Mit 60 will sich Andreas Manseder aus dem Berufsleben verabschieden. Und damit sich das finanzieren lässt, wird er in den nächsten 22 Jahren tatkräftig am Erfolg von Kunze Folien mitarbeiten.

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