A&D: Ein Boot aus Papier liegt während der Drupa im Kö-Graben vor Anker: Wie kam es zum Drupaperboat?
Manuel Mataré: Wir möchten, dass sich Aussteller und Besucher während ihres Aufenthaltes in Düsseldorf wohl fühlen. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit Partnern vor vielen Jahren das Projekt Drupacity ins Leben gerufen. Eine Attraktion ist sicherlich das Drupaperboat, das am 30. April im Kö-Graben vor Anker ging. Der niederländische Papierkünstler Filip Jonker schuf dieses 7,50 m lange und 2,65 m breite Boot aus 2000 kg Papier sowie 2000 kg Sand als Ballast speziell für die Drupa 2012. Mit Unterstützung eines Unternehmens für Spezialbeschichtungen ließ Jonker das Schiff für Fahrten auf dem Meer wasserdicht beschichten. Seine Probefahrt führte ihn im September von Rotterdam über den Kanal nach England.
Die Drupa dauert zwei Wochen, für eine Messe doch eine stattliche Länge. Weshalb ist die Nachfrage so groß?
Im Unterschied zu anderen Branchenveranstaltungen im In- und Ausland können die Besucher auf der Drupa die Maschinen live in Aktion erleben. Wenn man von der Drupa spricht, ist denn auch von der größten Druckerei der Welt die Rede. Die Installation der Maschinen ist sehr zeitintensiv. Der Hallenboden muss aufgestemmt werden, um Maschinenfundamente stabil zu verankern. Komplette Befeuchtungssysteme werden installiert, damit die Druckmaschinen problemlos arbeiten können. In manchen Hallen werden die bestehenden Klimaanlagen erheblich erweitert. Dies alles erfordert einen hohen Aufwand, der sich letztendlich nur bei einer langen Messelaufzeit rechnet.
Mit QR- und Touchcodes löst sich der Medienbruch zwischen Print und Online quasi auf. Die Online-Welt dringt immer stärker in den analogen Alltag ein. Hat Print überhaupt Zukunft?
Aktuelle Smartphones und soziale Medien wie Twitter, Facebook oder Google+ erleben derzeit einen unglaublichen Siegeszug, weil sie völlig neue Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten eröffnen. Sie bringen Menschen online zusammen, die ihren Alltag oder digitale Fundstücke wie Videos oder Musik miteinander teilen wollen. Print spielt hierbei bisher nur eine untergeordnete Rolle, weil bedruckte Medien in diesem Universum des digitalen Teilens bislang kaum eingesetzt wurden. Genau das ändert sich aber im Moment.
Welchen Trend erkennen Sie?
Immer mehr Verlags- und Medienhäuser, Werbeagenturen und Designer setzen erfolgreiche Print-to-Web-Projekte um. Das ist möglich, weil mit Anwendungen aus den Bereichen Augmented Reality oder Smart Tagging inzwischen Brückentechnik existiert, mit der sich die Vorteile von Print mit denen von mobile und social media nahtlos verbinden lassen. Was wir derzeit erleben ist kein Ablöseprozess, auch kein Showdown zwischen der Gutenberg-Galaxis und dem Online-Universum. Stattdessen stehen wir am Anfang eines umfassenden und spannenden Integrationsprozesses, der viele neue Perspektiven und Chancen eröffnet.
Nennen Sie drei Trends, die die Druck- und Papierbranche darüber hinaus zurzeit bewegen?
Die Bedeutung des Verpackungsdrucks wird – bedingt durch die Entwicklung in den Schwellenländern und den Trend zu kleineren oder individualisierten Verpackungseinheiten in den Industrieländern – weiter wachsen. Zweitens: Die Automatisierung von Druckprozessen und mit ihr die Standardisierung der Prozesse wird weiter voranschreiten. In diesem Zusammenhang wird sich ein dritter Trend durchsetzen: Die fortschreitende Web2Print-Implementierung. Einen vierten Trend möchte ich noch hinzufügen: die Nachhaltigkeit, die sich durch die gesamte Wertschöpfungskette zieht. Dies ist ein Trend, der gerade erst am Anfang seiner Relevanz für die gesamte Medienproduktion steht und die Branche noch viele Jahre begleiten wird.
