Erschienen in: A&D Dezember 2011, S. 47
Messen & Erkennen  |  

IO-Link – Top oder Flop?

Kommunikationsstandard der Zukunft – mit diesen Worten wurde IO-Link vor einigen Jahren beworben. Ob die Phase der Euphorie schon vorüber ist, damit beschäftigt sich Peter Adolphs, Geschäftsführer Entwicklung & Marketing bei Pepperl+Fuchs. *  Text: Peter Adolphs, Pepperl+Fuchs Foto: Pepperl+Fuchs  

Um dieser Frage nachzugehen, muss man ein wenig in die Historie zurück blicken. Man stellt fest, dass IO-Link anfänglich von einigen Anbietern als neuer Feldbus angepriesen wurde und damit sofort die Frage aufkam, wo sich denn IO-Link im Vergleich zu AS-i, CAN oder Profibus positionieren will. Das war aber nicht die technische Zielrichtung von IO-Link und führte in der öffentlichen Wahrnehmung zunächst zu einem völlig falschen Bild und vielen vermeidbaren Diskussionen. Nach diesem aus Vermarktungssicht etwas holprigen Start sind wir inzwischen aber auf einem guten Weg. IO-Link ist nämlich kein Bus, sondern vielmehr eine serielle digitale Punkt-zu-Punkt-Verbindung und steht damit im Wettbewerb zu klassischen analogen Schnittstellen wie 4..20mA oder 0..10V auf der einen Seite und etablierten aber aufwändigen seriellen Schnittstellen wie RS232 und RS422 auf der anderen Seite. IO-Link ist die multifunktionale und schnelle Schnittstelle von der applikationsnah montierten I/O-Box zum Sensor oder Aktuator, gleichsam die letzte Meile in der Verdrahtung in der Automatisierungspyramide. Somit ist IO-Link der perfekte Kommunikationsstandard für Feldgeräte mittlerer Komplexität. Darunter fallen Geräte mit analogem Messwert genauso wie parametrierbare Geräte oder die Kombination aus beidem. Die rasante Entwicklung hin zu mehr Funktionalität im Feldgerät führt dazu, dass diese Geräte der mittleren Komplexitätsklasse preislich attraktiver werden und damit stückzahlmäßig zunehmen.

Gerade in der Industriesensorik ist ein klarer Trend zum analogen Messwert anstatt reiner Positionsabfrage zu erkennen, manchmal unter dem Slogan Messen statt Tasten zusammengefasst. IO-Link kann alle diese Anforderungen abdecken, ist relativ preiswert und es gibt bislang kein alternatives Konzept am Markt. Zudem ist IO-Link abwärtskompatibel zum 24V-Binärausgang, sodass eine Migration sowohl für die Sensorhersteller als auch den Endanwender ohne doppelte Lagerhaltung möglich ist. Zudem kann IO-Link sowohl als Prozess- wie als Parametrierschnittstelle benutzt werden und das alles über einen vierpoligen ungeschirmten Standard-Steckverbinder.

IO-Link bietet die einzigartige Chance, die komplette Sensorwelt vom einfachen Binärschalter bis hin zum komplexen Vision-Sensor mit nur drei weltweit standardisierten Schnittstellen zu bedienen. Für den Binärschalter ist das der 24V-Binärausgang, für komplexen Sensoren ist das Ethernet und für den Rest der Sensorik eben IO-Link. Aus Sicht der Steuerungen bedeutet das ebenfalls eine Reduzierung der Schnittstellenvielfalt und damit erhebliche Kosteneinsparungen. Per DTM oder IODD kann ein IO-Link-Gerät sogar ganz einfach transparent in die Visualisierung der Maschinensteuerung eingebunden werden. Man kann also sagen, dass die vermehrte Verwendung von analogen Sensoren die Einführung von IO-Link geradezu erfordert, will man die Kosten im Griff halten und den vollen Nutzen schöpfen.

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