Erschienen in: A&D Dezember 2011, S. 33
Steuern & Vernetzen  |  

Aus der Ferne betrachtet

Mit Systemen zur Fernüberwachung von Anlagen lässt sich der Kundendienst effizienter und wirtschaftlicher gestalten. Die im folgenden beschriebene Lösung zeigt, wie ein solches System aussehen kann. *  Text: Oliver Prang, Wachendorff Foto: Wachendorff  

Viele deutsche Maschinenbauer verkaufen ihre Anlagen erfolgreich in die ganze Welt. Das bringt aber auch Herausforderungen mit sich. So ist es aufgrund der zum Teil großen Entfernungen zum Einsatzort nicht immer einfach, verkaufte Anlagen effizient zu betreuen. Die Firma Hiller aus Vilsbiburg zum Beispiel hat nach einer Lösung für diese Herausforderung gesucht. Das Unternehmen stellt Dekanter her – Zentrifugen, die feste und flüssige Stoffe voneinander trennen. Diese Maschinen werden für ganz unterschiedliche Dinge benötigt, zum Beispiel um Klärschlamm einzudicken oder zu entwässern, aber auch in der Lebensmittelproduktion. Zur Herstellung von Olivenöl etwa werden die Anlagen nach Spanien und Italien geliefert und auch die Mineralölindustrie benötigt die Dekanter des Mittelständlers. Vertriebsbüros finden sich heute auf allen Kontinenten – der Stammsitz des Unternehmens ist aber nach wie vor in Bayern.

Durch die grafische Darstellung werden Probleme schnell erkannt
eWON wird direkt an die Steuerung im Schaltschrank angeschlossen

Kostenfaktor Kundendienst

„Wir sind erster Ansprechpartner für unsere Kunden. Wenn irgendwas nicht wie gewünscht funktioniert, kümmern wir uns darum – egal, was die Ursache war“, sagt Georg Lichtenecker, der als Bereichsleiter für das Auftragsmanagement des Familienbetriebes zuständig ist. So kommt es zum Beispiel vor, dass die Anlagen müssen dann nachjustiert werden müssen. Schließlich sind die Ausgangsmaterialien nie ganz genau gleich – so kann die Beschaffenheit des Schlamms sich verändern oder der Wassergehalt von zermahlenen Naturprodukten, aus denen Extrakte gewonnen werden, variieren. Normalerweise nehmen die Kunden solche Feineinstellungen alleine vor – in den ersten Monaten wünschen aber viele noch eine Begleitung und Hilfestellung durch den Hersteller. Da sei es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass ein Techniker in aller Eile ins Ausland geschickt wurde, erinnert sich Lichtenecker, um dort festzustellen, dass nur der Notausschalter gedrückt worden war und eigentlich alles problemlos lief. Um solche kostenintensiven und überflüssigen Einsätze zu vermeiden, gleichzeitig aber den Service zu verbessern, machte man sich auf die Suche nach geeigneten Systemen, die eine Möglichkeit bieten, alle Anlagenparameter von Ferne einsehen zu können. „Wer seinen Kundendienst effektiv einsetzen will, der muss wissen, was vor Ort los ist“, bringt Lichtenecker seine Beweggründe auf den Punkt. Das Fernwartungsystem sollte dabei nicht nur bei konkreten Anlässen die aktuellen Maschinendaten nach Vilsbiburg übertragen – vielmehr war die Historie der Werte wichtig. „Nur so lassen sich Schlüsse ziehen, worin die Ursache einer Fehlfunktion liegt“, erklärt Fritz Holbl, bei Hiller verantwortlich für die Automatisierungstechnik . Um eine individuelle, leistungsfähige Fernwartungslösung zu entwickeln, nahm man Kontakt zur Firma Dataprofit auf.

Anlagenüberwachung und Auswertung

Der Spezialist für Anlagenüberwachung aus Friedberg in Bayern bietet eine kundenspezifische Visualisierung, die alle Daten übersichtlich abbildet und über einen Internetbrowser abrufbar macht. Diese Lösung umfasst die Darstellung aktueller Werte. Zudem stehen alle gesammelten Daten aus der Vergangenheit graphisch aufbereitet zur Verfügung und ermöglichen so eine einfache Analyse und Fehlersuche. Dabei können unterschiedliche Werte direkt verglichen werden, indem das Programm sie als Kurven anzeigt und übereinander legt. Veränderungen und ihre direkten Auswirkungen lassen sich so auf den ersten Blick erkennen. Welche Parameter Hiller bei einer Anlage überwacht und aufzeichnet, wird aufgrund der jahrelangen Erfahrungen der Mitarbeiter entschieden. „Wir kennen die unterschiedlichen Prozesse bei unseren Kunden sehr genau und wissen, auf welche Daten es ankommt und an welchen Stellen es später noch Anpassungsbedarf geben könnte“, sagt Lichtenecker. Bei Klärschlamm zum Beispiel ist der Anteil der Trockensubstanz wichtig, der über ein Streulichtverfahren gemessen wird. „Wir schauen uns bei einer Störmeldung den Zustand einer Anlage zu dem Zeitpunkt ganz genau an, an dem der Fehler auftritt“, so Lichtenecker. Ändert sich die Zusammensetzung des zu verarbeitenden Schlamms kurzfristig erheblich gegenüber der Grundeinstellung, kann dies Auswirkungen auf den Verarbeitungsprozess innerhalb des Dekanters haben. Die Maschine geht möglicherweise auf Störung und schaltet sich dann ab.

Lösung für abgelegene Standorte

Ohne Detailinformationen würde dann ein Techniker zum Kunden geschickt, der auf den ersten Blick nur die Abschaltung der Maschine erkennen könnte. Durch die Fernwirklösung erkennt man in Vilsbiburg sofort, dass sich die Beschaffenheit des Schlamms verändert hat, bevor die Maschine abschaltete. Die Mitarbeiter können den Fehler schnell erkennen und dem Kunden Tipps zu Änderungen der Einstellungen geben oder nehmen diese sogar aus der Ferne selbst vor. Bleibt noch die Frage, wie die Dekanter, die auch als mobile Containeranlagen in russischen Ölfeldern eingesetzt werden, ihre Daten nach Vilsbiburg übertragen können. Telefon- oder gar Datenleitungen gibt es hier nicht. „Wir brauchen also ein drahtloses System, das bei variablen Einsatzorten verwendet werden kann“, sagt Hans-Jürgen Krieg von Dataprofit. Vor allem muss die Verbindung stabil und schnell sein, um bei Bedarf auch Software Updates von Ferne aufspielen zu können Fündig wurde er bei der Firma Wachendorff aus Geisenheim. Das Teleservice-Modul eWON wird über eine MPI-Schnittstelle mit der SPS der Anlage verbunden und stellt via Mobilfunk die Verbindung ins Internet her. Der Zugriff auf die Steuerung ist so über jeden beliebigen Internetbrowser möglich – VPN-getunnelt und passwortgeschützt. Das Gerät gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und mit verschiedenen Schnittstellen. So kann es an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden und hält als robust ausgelegtes Gerät auch dem mobilen Einsatz und rauen Umgebungsbedingungen stand.

Bedienfehler erkennen

„Wenn heute ein Kunde anruft und Fragen hat, können wir sofort alle Parameter auf den Bildschirm holen und ihm qualifiziert antworten“, sagt Lichtenecker. Auch die Fehleranalyse sei einfacher geworden, Durch die neuen Analysemöglichkeiten erkennen die Hiller-Mitarbeitereine falsche Bedienung oder ein verändertes Ausgangsmaterial auf den ersten Blick.☐

• more@click-Code: AD9836280

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