Erschienen in: A&D April 2011, S. 22
Auftakt  |  

„Den Weg ohne Größenwahn weitergehen“

Helmut Kostal übergab im Dezember vergangenen Jahres seinem Sohn Andreas Kostal die Geschäftsführung. A&D hat mit ihm über Strategien, Ziele und den Generationskonflikt gesprochen. *  Fragen: Anke Grytzka, A&D Foto: Kostal  

Sie führen die Geschäfte von Kostal nun in der vierten Generation weiter. Worin sehen Sie Ihre größten persönlichen Herausforderungen?

Mein Vater übergab mir den Staffelstab zur Führung des Unternehmens mit der Aufgabe "Kostal zu dienen und zu führen". Diese Reihenfolge ist nicht willkürlich gewählt: Das Unternehmen steht stets an erster Stelle und mein Handeln wird jederzeit dem Wohl von Kostal dienen. Als Familienunternehmen bauen wir auf einer nun fast 100jährigen Tradition auf, die es gilt weiterzuführen. Somit ist es meine Aufgabe, unsere Werte und unsere enge Verbundenheit zum Unternehmen in die nächste Generation zu übertragen. Hierzu benötigt ein Unternehmen eine starke Führung, die den langfristigen Erfolg sichert und gleichzeitig die Entwicklung der Firma vorantreibt. Diese Anforderungen im Team mit meinen Geschäftsführerkollegen und allen Mitarbeitern umzusetzen und Kostal während meiner Zeit als Vorsitzender der Geschäftsführung erfolgreich und sicher zu führen, um so das Unternehmen anschließend in einem guten Zustand an die nächste Generation weiterzugeben, ist eine meiner größten Herausforderungen.

Ihr Vater, Helmut Kostal, steht Ihnen weiterhin beratend zur Seite. Wie darf man seinen ersten Ratschlag "Junge, bleib mit den Füßen auf dem Boden!" verstehen?

Mit diesem Ratschlag geht eine langjährige Tradition einher. Bereits meinem Vater wurde der Satz "Junge, bleib mit den Füßen auf dem Boden!" von seinem Vater ans Herz gelegt und er hat sich bis heute bewährt. Kostal als Familienunternehmen begründet seinen Erfolg neben einer ausgeprägten Innovationskraft, offensiver Qualitätspolitik und finanzieller Solidität auch auf einem starken Zusammenhalt. Mein Ziel ist es diesen zu bewahren, indem ich den Erfolgsweg des Unternehmens konsequent und ohne Größenwahn oder gar als Hasardeur weitergehe und für alle im und außerhalb des Unternehmens verlässlich bleibe.

Ihr Vater richtete das Unternehmen zunehmend international aus. Welche Richtung schlagen Sie hinsichtlich Internationalisierung ein?

Im Geschäftsbereich Automobil sind wir bereits als globales Unternehmen aufgestellt und können hier großen Erfolg verzeichnen. Seit einigen Jahren wird die Internationalisierung des Geschäftsbereichs Industrie, den wir zunehmend zu unserem zweiten Standbein ausbauen, immer wichtiger. Wie mein Vater damals für unsere automobilen Aktivitäten vertrete ich nun hier die Ansicht, dass wir mit internationalen Standorten kundennah und effektiv auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen und gleichzeitig die Flexibilität eines mittelständischen Unternehmens wahren können. Daher werde ich die eingeschlagene Richtung der Internationalisierung weiter vorantreiben. Dabei profitieren wir von unserer Präsenz in 17 Ländern und der daraus resultierenden internationalen Erfahrung.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre "Amtszeit" gesteckt?

Hier möchte ich noch einmal an meine Antwort auf ihre erste Frage anknüpfen. Seit Gründung des Unternehmens ist es Tradition, die Geschäftsleitung von Kostal von Generation zu Generation weiterzugeben. Man kann dies mit einem Staffellauf vergleichen: Derjenige, der den Staffelstab vom Vorgänger übernommen hat, sollte dafür sorgen, dass er den Stab über die Strecke, die er zu laufen hat, so schnell und so erfolgreich wie möglich transportiert und dann sicher in die Hand eines geeigneten Nachfolgers übergibt. Vor diesem Hintergrund ist es mein Ziel, wie es auch das von meinem Vater war, das Unternehmen am Ende meiner Laufbahn in einem ordentlichen Zustand an die nächste Generation weitergeben zu können. Dazu zählt für mich den nachhaltigen Erfolg von Kostal auszubauen sowie die Innovationskraft des Unternehmens voranzutreiben, da diese wichtige Elemente bilden, die uns in der Vergangenheit stark gemacht und in die Wettbewerbs- und Marktposition gebracht hat, auf der wir heute aufbauen können.

Wenn zwei Generationen aufeinandertreffen, ist man nicht immer einer Meinung. In welchen Punkten weicht Ihre Meinung von der Ihres Vaters ab?

Mein Vater und ich teilen uns schon seit Langem viele Themen, mit denen wir uns beschäftigen und auch gerne beschäftigen – sei es in der Freizeit oder auch in beruflichen Belangen. Wir haben immer einen guten Draht zueinander gehabt, besonders durch die Kombination unserer gleichen Interessen. Dadurch haben wir neben unserer Bindung durch den Beruf auch immer eine Verknüpfung durch gemeinsame Hobbys. Dies schafft eine gemeinsame Basis, welche vor allem als Kind für das Verhalten und die Einstellungen, die der Vater vorlebt, prägend sind. Vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, dass es keine gravierenden Unterschiede zwischen uns gibt. Mit Blick auf einzelne Aspekte gibt es ab und an zwar schon Differenzen, allerdings beziehen sich diese nicht auf das Ziel, sondern lediglich auf den Weg, um ans Ziel zu gelangen.

Welche Parallelen ziehen Sie zwischen dem Führungsstil Ihrer Vaters und Ihrem?

Die Tugenden, um das Werk unserer Vorgänger fortsetzen zu können, hat bereits mein Vater in seinem Elternhaus gelernt und an mich weitergegeben. Dabei spielt der Leistungsgedanke, der Gedanke von Fairness gegenüber den Mitarbeitern und der Gedanke, sich selbst nicht als überlegen gegenüber anderen anzusehen, eine große Rolle. Auch ich vertrete die Ansicht, dass man sich mit Mitarbeitern, die besser qualifiziert sind, als man selbst, umgeben und dies auch aushalten sollte. Dies kann nur zum Nutzen und Wohl des Unternehmens sein. Ohne unsere Mitarbeiter wäre Kostal nicht das was es heute ist und so pflege ich den Teamgedanken meines Vaters konsequent weiter. Selbstverständlich sehe ich es auch als meine Aufgabe an, Leistung von den Mitarbeitern einzufordern, um die Mitarbeiter zu fördern. Es gibt aber auch viele Mitarbeiter, die von sich aus das Engagement haben, sich weiterzuentwickeln. Dies sollte man als Führungskraft bemerken und berücksichtigen.

Bei Kostal-Produkten vertreten Sie eine Null-Fehler-Qualität. Aber heißt es nicht: Wo gehobelt wird, fallen Späne?

Ja, daher sprechen wir bei Kostal auch von einem Null-Fehler-Denken. Dieses zieht sich durch alle Bereiche unseres Unternehmens und ist darauf ausgerichtet mögliche Fehlerquellen frühzeitig zu identifizieren und durch geeignete Maßnahmen Fehler weit gehend zu vermeiden. Dabei setzen wir auf ein effektives Qualitätsmanagement, worin wir als Automobilzulieferunternehmen über jahrzehntelange Erfahrung verfügen. Ein elementarer Baustein ist hier die Vorbildfunktion der Führungskräfte, ein anderer die kontinuierliche Weiterbildung aller Mitarbeiter. Darüber hinaus setzen wir zahlreiche präventive Qualitätstools ein, um diesem Denken erfolgreich Rechnung zu tragen. Natürlich ist es in der Realität nicht möglich in allen Belangen perfekt zu sein. Daher legen wir Wert auf den konstruktiven Umgang mit Fehlern. Wo innovativ gearbeitet wird, dort werden auch mal Fehler gemacht. Aus diesen zu lernen und sie in Zukunft zu vermeiden, das ist unser Ziel und das meinen wir, wenn wir von Kostal als qualitätsoffensiv sprechen.

Weiterhin heißt es, die Führungskräfte müssen klare, erreichbare Ziele formulieren. Wie lauten diese für das aktuelle Geschäftsjahr?

Als Familienunternehmen sind wir glücklicherweise in der Lage, Ziele nicht nur kurzfristig formulieren zu müssen. So streben wir auch in diesem Jahr gemeinsam mit zufriedenen Kunden ein profitables Wachstum an. Damit stellen wir sicher, dass wir unseren Partnern auch zukünftig aus eigener Kraft lösungsorientierte Angebote machen können und weiterhin als Leistungsführer wahrgenommen werden. Mit Blick auf unsere internationale Ausrichtung wollen wir zudem die Kooperation zwischen den einzelnen Ländergesellschaften kontinuierlich verbessern und unsere Prozesse noch effizienter gestalten. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit bietet dort vielfältige Herausforderungen. Sie sehen, auch mir wird in den nächsten Jahren keineswegs langweilig, aber ich freue mich darauf gemeinsam mit meinem Team diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

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