Steckfähige, geschlossene Module schützen vor mechanischen und elektrostatischen Zerstörungen
Erschienen in: S&I-Kompendium 2010, S. 110
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Die Trends bei Brandmelde-Systemen

Moderne Brandmelde-Zentrale und -Software spart bei der Instandhaltung

Es sind oft die kleinen Unterschiede, mit denen sich Hersteller im Wettbewerb hervortun. Um am Markt zu punkten, hat man als Hersteller neben technischen Neuheiten auch verbesserten Service und einen deutlich erhöhten Kundennutzen zu bieten. * Text: Joachim Meisehen Bild: Novar

Bei der Entwicklung eines neuen Brandmeldesystems ist es wünschenswert, die Belange seitens Errichter, Planer und Betreiber unter einen Hut zu bekommen, ohne die nötigen Zulassungsvorschriften etwa nach EN54 oder VdS zu vernachlässigen. Wenn es dann noch gelingt, den Designansprüchen der Architekten zu genügen, ist man fast schon am Ziel.Der unkonventionelle Ansatz, den zusätzlichen Kundennutzen in den Fokus der Entwicklung zu stellen, könnte sich auf längere Sicht auszahlen. Eine neue Brandmelder-Zentrale sollte dem Kunden genau das bieten, was er benötigt. Er zahlt dann zum Beispiel nicht mehr für einen großen Leistungsumfang an Hard- und Software, den er ohnehin nur zum Teil verwendet. Einsparungen dürfen jedoch nicht zu Lasten der Funktionalität gehen. Mit nahezu 50 Prozent der Gesamtkosten einer Brandmelde-Anlage stellen – über die Lebensdauer eines solchen Systems betrachtet – die Instandhaltungs-Kosten den größten Anteil dar. Aus Sicht der Betreibers lässt sich hier das meiste Geld sparen. Mit dem Einsatz entsprechender Software sinken in diesem Bereich sowohl Kosten als auch Aufwand deutlich. Unabhängig von Ort und Zeit eine komplexe Gefahrenmelde-Anlage zu programmieren, ist keine Wunschvorstellung mehr, sondern Realität. Bevor die Daten in die Zentrale übertragen werden, kann man sie im Vorfeld erfassen und entsprechend konfigurieren, ohne vor Ort sein zu müssen.

Die Kosten pro Melderpunkt sind bei der Instandhaltung mit Abstand am höchsten

Das Zauberwort heißt modular

Basis eines hochwertigen, modernen Brandmelde-Systems, das diesen Aspekten Rechnung trägt, bilden flexible, ausbaufähige Zentralen mit steckfähigen Modulen. Diese lassen sich nach dem Plug&Play-Prinzip einfach und schnell montieren, konfigurieren oder ersetzen. Ändert sich die Nutzung oder wird ein Gebäude erweitert, wird das System auf diese Weise jederzeit und einfach an den aktuellen Bedarf angepasst. Dies sorgt für eine hohe Flexibilität, die heute von solchen Systemen erwartet wird. Die einzelnen Module sollten nach Möglichkeit automatisch von der Zentrale eingelesen werden; Montagefehler bei Austausch oder Erweiterung werden dadurch vermieden. Ein robustes Gehäuse sollte die Module vor mechanischen und elektrostatischen Beschädigungen schützen. Eine geringere Zahl von Hardware-Komponenten sorgt darüber hinaus für mehr Übersichtlichkeit und senkt die Lagerhaltungskosten. Ein modulares Systemkonzept deckt in allen Ausbauvarianten die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten ab. Wenn zusätzlich Zentralenredundanz gefordert ist, muss diese durch einfaches Hinzufügen einer zweiten CPU-Karte möglich sein. Kaskadierbare Netzteile sorgen für eine erforderliche Anpassung bei Erweiterungen. Kosten im Rahmen von anstehenden Ausbauten werden auf diese Weise verringert. Der Servicetechniker ist indes immer bestens bestückt: Die wenigen Module, die den vollen Funktionsumfang gewährleisten, führt er immer vorrätig im Servicefahrzeug mit. Dass er beim Eintreffen vor Ort feststellt, die falsche Komponente im Koffer zu haben, gehört der Vergangenheit an. Die entsprechenden Zentralengehäuse sollten in unterschiedlichen Größen erhältlich sein und eine Wahl zwischen Gehäusevielfalt und Verdrahtungs-Spielraum zulassen. Bei großen Objekten sollte eine Vernetzung der Zentralen untereinander in gewohnter Weise möglich sein. Ferndiagnose erlaubt es dem Errichter, vom Arbeitsplatz im Büro eine erste Analyse des Anlagenzustands vor Ort zu ermitteln (etwa bei anstehenden Störungsmeldungen). So verbessert sich die Einsatzplanung.

Investitionen langfristig sichern

Der Gedanke der langfristigen Kosteneinsparung setzt sich fort in der herstellerseitigen Erweiterung des Portfolios um Produkte für professionelle Sprachalarmierung (SAA). Dies wird noch verstärkt durch die aktuelle Vorschriftenlage: Wo viele Menschen zusammenkommen, steigt das Gefahrenrisiko. So muss das Bewusstsein für die Notwendigkeit steigen, das Leben der Menschen besser zu schützen. Einen wichtigen Impuls zu dieser Entwicklung gab die DIN VDE 0833-4. Deutlicher als bisher geht diese neue Norm auf die Kopplung der Sprachalarm-Anlage mit dem Brandmelde-System ein. Dabei werden sowohl bauordnungsrechtliche wie auch feuerwehrspezifische Anforderungen berücksichtigt. Das Ergebnis: mehr Sicherheit für die Menschen, mehr Planungssicherheit für Architekten, Planer und Errichter. Ihnen steht nun eine zuverlässige Richtlinie zur Verfügung, die auch Installations- und Abnahmekriterien beschreibt. Brandmeldetechnik und Evakuierung wachsen also in Zukunft weiter zusammen; komplexe Sprachalarmierungs-Anlagen werden zum zentralen Element. Vernetzt mit der Brandmelde-Anlage geben sie im Brandfall durch gespeicherte Sprachdurchsagen direkte Anweisungen für das richtige Verhalten und stellen sicher, dass die Menschen rechtzeitig alarmiert werden und das Gebäude schnell und gezielt evakuiert wird. Die sprachunterstützte Alarmierung auf dem Feldbus ist dabei ebenso wünschenswert wie das Live-Einsprechen und eine professionelle SAA-Anlage, wenn diese unter baurechtlichen Voraussetzungen gefordert wird. Ein übergeordnetes Gefahrenmanagement-System ermöglicht, alle Ereignisse in den unterschiedlichen Gewerken unter einer einheitlichen Bedienoberfläche zentral zu bearbeiten und zu erfassen. Sie stellt sicher, dass alle Störmeldungen über den Computer visualisiert werden. Die Brandmeldetechnik in ein Gefahrenmanagement-System zu integrieren bietet viele Synergieeffekte. Innerhalb komplexer Gebäudenetzwerke ist häufig ein Datentransfer zu übergeordneten Stellen nötig. Hier kann ein Multiprotokoll-Gateway für die die Kommunikation zur übergeordneten Gebäudeleittechnik und Geräten anderer Hersteller sorgen. Ein weiterer wichtiger Aspekt kommt immer wieder zum Tragen, wenn Altsysteme ersetzt werden müssen. Eine Migration solcher Anlagen, die durchaus große Dimensionen annehmen, sollte zukünftig nahtlos erfolgen. Neben der Bedien-Ergonomie eines HMI (Human-Machine-Interface) spielen auch ästhetische Aspekte eine immer wichtigere Rolle. Moderne HMI arbeiten mit einem so genannten Nachtdesign: Solange kein Ereignis eintritt, wird lediglich die hochwertige Oberfläche angezeigt. Im Ereignisfall hingegen werden dann nur solche Tasten beleuchtet, deren Bedienung im Rahmen der Funktionalität vorgesehen ist. Das erleichtert das Handling erheblich und stellt für den Betreiber einen hohen Zusatznutzen dar: Auch ungeübte Benutzer bedienen das System intuitiv. Große LCD-Displays werden, wenn gewünscht, in Farbe geliefert und stellen Grafiken und Gebäudepläne dar; diese Daten können zusätzlich auf ein Handy oder im Web übertragen werden. Informationen werden vorab unmittelbar und gut aufbereitet dargestellt, um Interventionskräfte zu unterstützen. Eine zweisprachige Anzeige ist ebenfalls hilfreich; sie berücksichtigt ein internationales Personal. Während heute oft noch eine komplette Zentrale nötig ist, wenn lediglich ein zusätzliches Fernbedienfeld benötigt wird, spielt das Konzept auch hier seine Vorteile aus. Kommunikationsmodule lassen den Betrieb wahlweise auf dem HMI-Bus, dem Feldbus oder im Ethernet zu. Ein moderner Feldbus sollte die Vorteile einer Brandmelder-Zentrale unterstützen, indem er bestimmte Randbedingungen erfüllt: Die Initialisierung eines Rings erfolgt in möglichst kurzer Zeit, Schalt- und Reaktionszeiten bleiben gering, umfangreiche Einsatzmöglichkeiten bei der Gebäudeautomation sind möglich und unterschiedliche Übertragungsgeschwindigkeiten auf dem Ringbus vorgesehen. Die Leitungslänge sollte dabei über 3000 Meter liegen und ein Stichbetrieb möglich sein. Zwingend erforderlich ist eine Identifizierung und Visualisierung von Verdrahtungsfehlern, um die Inbetriebnahme zu beschleunigen.

Die Synergie machts

Wenn man ein hochwertiges Brandmelde-System auf den Markt bringt, sollte es aus technischer Sicht und aus Kundensicht überzeugen. Ein flexibles, erweiterbares und wirtschaftliches Brandschutz-Konzept berücksichtigt den ganzheitlichen Ansatz moderner Gebäudetechnik mit Sprachalarmierungs-Systemen zur Selbstrettung von Personen. Wenn man als Hersteller dann noch Kommunikationslösungen im Krankenhaus- und Pflegebereich bieten kann, profitiert der Kunde mehrfach durch eine Integration der Systeme. Der Nutzen durch Synergieeffekte beim Datenaustausch innerhalb unterschiedlicher Gewerke ist evident. Die Entscheider, die die Installation einer solchen Anlage verantworten, sollten diese Aspekte auf jeden Fall berücksichtigen. Bei allen Überlegungen im Hinblick auf die Entwicklung einer neuen Systemgeneration sollte der Hersteller sein vorhandenes Portfolio nicht vernachlässigen, um zukünftig Kompatibilitäts-Probleme zu vermeiden.

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