A&D: 30 Jahre B&R. Herr Enhuber, wie ging es damals los?
Enhuber: Die Firmengründung fand statt am 1. Juli 1979, an einem Sonntag. Sonntagskinder sind ja als Glückskinder bekannt – das lässt sich gut auf die Historie von B&R adaptieren. Drei Kollegen waren es damals, also ein Angestellter neben Erwin Bernecker und Josef Rainer. 30 Jahre später sind daraus 1700 Mitarbeiter geworden, die 300 Millionen Euro umsetzen. Eine richtige Erfolgsgeschichte.Worauf ist dieser Erfolg denn zurückzuführen?
Dafür muss man folgende Faktoren beleuchten: Welche Ansprüche stellt der Markt? Was gibt die Technik her? Die Anforderungen sind en gros gleich geblieben: es soll schneller gehen und günstiger sein, aber die Qualität muss stimmen. Der eigene Anspruch lautete stets: vorne auf dem Markt mitmischen und neue Technik verfügbar machen. Eine wesentliche Komponente sind aber die Menschen bei B&R selber, sie haben sich nie verändert: mit Engagement und mit Liebe zum Detail am Werk.
Welche Steine lagen auf dem Weg zum Erfolg?
Wohl die größte Herausforderung für das Unternehmen lag darin, neue Technologien zu platzieren – notfalls gegen den Trend. B&R hat oftmals eine Vorreiter-Rolle übernommen. Ein gutes Beispiel liefert unsere Steuerung MultiControl: 1983 auf den Markt gebracht, basierte sie schon auf einem Mikroprozessor-System. Doch wir mussten die Steuerung als SPS bezeichnen, sonst hätte sie niemand gekauft. Es ist eine Gratwanderung, neue Technologien anzunehmen, aber sich trotzdem an dem zu orientieren, was der Markt fordert.
Wie wirkte sich die digitale Revolution auf B&R aus?
Aus heutiger Sicht war es eine goldrichtige Entscheidung, auf Mikroprozessor-Technologie zu setzen. Damals jedoch war das ein früher und sehr couragierter Einstieg. Denn traditionell trennten große Anbieter wie Siemens und Rockwell Steuerungs- und Rechentechnik strikt. Dem entgegen hat B&R auf dem Steuerungsmarkt ganz neue Möglichkeiten etabliert.
Ist die SPS nicht ein essenzieller Teil der Automatisierung?
Naja. Wir haben damals Steuerungen präsentiert, die digital und analog arbeiten konnten. Schon ein Jahr darauf gab es dazu passende B&R-Bediengeräte. 1986 folgte ein frei parametrierbares Visualisierungsgerät. Aber auch in puncto Antriebstechnik und Positionierung deckte die MultiControl schon damals ein verhältnismäßig breites Spektrum ab.
B&R war also von Anfang an lösungsorientiert?
Wir haben uns immer an den Anforderungen des Anwenders orientiert, um ihm als Partner kompetent zur Seite zu stehen. Sowohl auf der automatisierungstechnischen Seite als auch von seinen spezifischen Anforderungen aus gesehen. Man muss Verständnis mitbringen, um eine passende Lösung zu realisieren – das ist bis heute Fakt. Von Durchgängigkeit profitierte aber immer auch schon die eigene Entwicklung, da unterschiedliche Produkte auf einer Basis aufsetzen.
Spielte die Rechenleistung damals schon eine Rolle?
Nach dem Mooreschen Gesetz verdoppelt sich die Rechenleistung alle zwei Jahre. Aufgrund dieser Potenz ist die Technik heute umso schnelllebiger. Aber auch Ende der 80er-Jahre spielte das Thema Verfügbarkeit schon eine große Rolle. Die MultiControl war 1984 schon mehrprozessorfähig – auf mehreren Controllern wurde Software parallel abgearbeitet. Bei unserem Produkt Maestro wurde jedoch klar, wie aufwändig Software-Entwicklung wird, wenn man SPS- und Rechnertechnik kombiniert. Für Maestro haben wir auch die erste Ethernet-Schnittstelle umgesetzt.Hier ist der Wandel der Zeit am besten erkennbar. Anfang der 80er hat man Netzwerktechnik kaum verwendet – erst später wurde es erforderlich, Maschinen und Anlagen miteinander zu vernetzen. Mit dem mechatronischen Gedanken stieg auch der Anspruch an die Kommunikation – beispielsweise Echtzeitfähigkeit. Dabei tauchte im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Namen und Protokollen auf: von RS232, CAN-Bus und Profibus bis hin zur den ethernetbasierten Standards. Apropos, das Thema Standardisierung ist auch in der Software stark verankert.
Was hat sich diesbezüglich bei B&R getan?
Ursprünglich lag der Fokus eindeutig auf der Hardware – sie wurde stets zuerst entwickelt. Aber 1987 haben wir realisiert, dass die Software-Kosten die der Hardware-Entwicklung mittelfristig überholen werden. Wir brauchten starke Werkzeuge, die das Software-Engineering unterstützen und einfacher machen. Deswegen haben wir auch frühzeitig begonnen, Programmierstandards in unser System zu überführen. Beim heutigen Automation Studio erkennt man klar: Wir wollen integrierte Standards, damit Software homogen in das System wachsen und der Kunde effizient arbeiten kann.
Gab es weitere ausschlaggebende Erfolgsfaktoren?
Ein wichtiger Faktor für ein solches Wachstum ist natürlich das unternehmerische Geschick. Ein bisschen Glück gehört auch dazu, aber vor allem die richtigen Mitarbeiter. Diese Menschen bildeten stets die Basis für den Erfolg und sind auch bis heute eine zentrale Säule des Unternehmens. B&R verfolgt seit der Gründung eine enge Partnerschaft mit der technischen Schule HTL in Braunau. So gewinnen wir hochqualifizierte Personen aus der Region für das Unternehmen. Eine Herausforderung wiederum war es gerade zu Beginn, diesen jungen und recht unerfahrenen Haufen erfolgreich zu dirigieren – und zwar so, dass die Kreativität blühen kann, gleichzeitig die Ziele aber nicht aus dem Ruder laufen.[mbay]SPS/IPC/Drives Halle 7, Stand 206
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