Fachbericht
Erschienen in: A&D Kompendium 2009/2010, S. 23
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Studium Servicemanagement

Industrielle Services gewinnen an Bedeutung, insbesondere für die industrielle Instandhaltung

Industrielle Services gewinnen an Bedeutung, insbesondere für die industrielle Instandhaltung. Das bedeutet steigende Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung der Fach- und Führungs-kräfte. Hier herrscht jedoch ein großer Mangel. * Text:Gerhard Bandow Grafik:Gerhard Bandow, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik

Verschiedene Untersuchungen der vergangenen Jahre haben eines sehr deutlich gezeigt, die Bedeutung des industriellen Service ist in erheblichem Umfang gestiegen. Da der Innovations- und Kostendruck auf die Industrie weiter wächst und damit auch der Zwang noch effizienter, wirtschaftlicher und flexibler zu arbeiten zunimmt, gehen alle Prognosen davon aus, dass der Bedarf an industriellem Service noch erheblich zunehmen wird. Der hier verwendete Begriff Industrielles Servicemanagement umfasst dabei sowohl die Instandhaltung als auch ein erweitertes betriebsinternes wie marktbezogenes Dienstleistungsspektrum rund um die komplexen Prozesse, die zur Zuverlässigkeit und Funktion verschiedenartigster technischer Systeme notwendig sind. Um der Notwendigkeit eines angemessenen Servicemanagements gerecht zu werden, bedarf es spezifischer fachlicher und interdisziplinärer Kompetenzen, deren Vermittlung in den bisher angebotenen Ausbildungs- und Studiengängen nur unzureichend bis gar nicht erfolgt. Neben Fach- und Methodenwissen sind vor allem soziale und interkulturelle Fähigkeiten gefordert, denn die Servicekräfte agieren in einem internationalen Umfeld als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hersteller- oder Dienstleistungsunternehmen. Es besteht daher die Notwendigkeit zur Entwicklung spezifischer Ausbildungsgänge, die dem Stellenwert dieses Leistungssegments in der Wertschöpfungskette Rechnung tragen.Mit der Entwicklung und Gestaltung von Instandhaltung und Industrieservice sowie der notwendigen Kompetenzentwicklung befasst sich das Forum Vision Instandhaltung e.V. (FVI), in dem sich rund 100 Industrieunternehmen sowie Dienstleister, Hochschulen und Forschungsinstitute zusammengeschlossen haben. Dieses Netzwerk, das als gemeinnütziger Verein organisiert ist, hat sich insbesondere die Wissensvermittlung und das Aufzeigen von Zukunftstrends zur Aufgabe gemacht. Mit Nachdruck weist das FVI auf den drohenden Expertenmangel als zunehmendes Handicap für die Entwicklung des Service-Sektors hin, der vor allem durch den unzureichenden Nachwuchs im Ingenieursbereich begründet ist. Das FVI empfiehlt den Unternehmen, die Nachwuchsförderung rechtzeitig mit zu gestalten und sich an der fachgerechten Qualifizierung künftiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv zu beteiligen. Das FVI kooperiert daher sowohl mit der Fachhochschule Dortmund (FH Dortmund) als auch mit der International Business School of Service Management (ISS) in Hamburg, um dem Fach- und Führungskräftemangel im industriellen Service entgegenzuwirken.

Status quo

Bis heute gibt es keine geregelte Ausbildung von IH-Ingenieuren an Hochschulen. In der Regel erlangen Ingenieure der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mechatronik in unternehmenseigenen IH-Schulen oder bei wirtschaftlich ausgerichteten Seminarorganisationen, jedoch vor allem on the job die notwendigen Fachkenntnisse zur Ausübung ihrer Aufgaben. Für die Unternehmen bedeutet dies erhebliche Investitionen in die Personalqualifizierung sowie einen nicht unerheblichen Zeitverlust, bis das Personal effizient einsetzbar ist. Eine Ausbildung zum IH-Ingenieur in Form eines dualen (praxisintegrierten) Studiums bietet zurzeit nur die Berufsakademie Sachsen in der Studienrichtung Service Engineering. Der demografische Wandel wird sich auch im industriellen Service etwa ab 2013 stark bemerkbar machen. Daher ist es notwendig, zielgerichtet, vorausschauend und schnell zu handeln. Dieser Aufgabe haben sich die FH Dortmund und die ISS in Hamburg in Kooperation mit dem FVI sowie weiteren interessierten Unternehmen aus den jeweiligen Regionen angenommen. Die beiden verfolgten Ansätze werden im Folgenden kurz beschrieben:

Servicemanagement an der ISS

Die ISS in Hamburg ist eine staatlich anerkannte private Hochschule mit akademischer Forschung und Lehre im Service. Diese im Jahr 2003 gegründete Organisation bietet eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Service-MBA (Master of Business Administration) an. In Kooperation mit dem FVI und dem Fraunhofer IML, der Kooperationsvertrag wurde im Oktober 2008 im Rahmen der Messe Maintain in München unterzeichnet, wurde dieses Studium um den Schwerpunkt Instandhaltung ergänzt. Die originären IH-Themen umfassen etwa 30% des MBA-Lehrplans, hinzu kommen Themen wie Projekt- und Prozessmanagement, klassisches Servicemanagement sowie eine Master-Thesis im IH-Bereich. Die IH-Themen werden insbesondere in zwei Modulen und vertiefenden Fallstudien vermittelt. Die enge Kooperation von Praxis, Wissenschaft und Lehre garantiert dabei die praxisgerechte Vermittlung der Themen.

Industrielles Servicemanagement an der FH Dortmund

Die FH Dortmund plant ab dem Wintersemester 2010/2011 in enger Kooperation mit der freien Wirtschaft die Einführung des neuen Studienganges Industrielles Servicemanagement (ISM) und sieht als besondere Komponente eine integrierte Betriebspraxis vor. Die interdisziplinäre Ausbildung in dem dualen Studiengang ist erstmalig mit dem Abschluss zum Bachelor of Engineering an einer FH kombiniert.

Kompetenzvermittlung im Studiengang

Das Studium soll durch praxisnahe Lehre auf wissenschaftlicher Basis die Absolventinnen und Absolventen zu selbständiger Tätigkeit im Berufsleben befähigen, um Fach- und Führungsaufgaben im Servicebereich wahrzunehmen. Die Ausbildung vermittelt interdisziplinäre Kompetenzen aus den Gebieten Technik, Wirtschaft, Recht und Informatik. Ein hohes Maß an Praxisbezug der Studieninhalte auf dem neuesten Stand der Technik wird durch die enge Zusammenarbeit mit der Industrie gewährleistet, wobei neue Trends und Anforderungen jederzeit berücksichtigt werden. In den Praxisphasen erlernen die Studierenden die Anwendung theoretischen Wissens auf praxisbezogene Problemstellungen und sammeln schon während des Studiums praktische Berufserfahrung, sodass das Erlernte im Betrieb sofort nutzbar ist. Im Mittelpunkt des Studiums stehen die Projekt- und Teamarbeit in komplexen industriellen Prozessen, die zur Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit der technischen Systeme notwendig sind. Die Inhalte des Studiengangs orientieren sich daher an konkreten Serviceaufgaben für technische Systeme und Anlagen. Auf Basis des regionalen Bedarfs stehen folgende Schwerpunkte zur Auswahl: IH-Management von

  • Produktionsanlagen
  • Infrastrukturanlagen
  • Energie- und Umweltschutzanlagen
  • Mobile Anlagen / Fahrzeugtechnik

Studiendauer und -organisation

Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester. Während des Studiums leisten die Studierenden etwa 60 Prozent ihrer Ausbildungszeit an der Hochschule und 40 Prozent im Betrieb. Es wird von einer durchschnittlichen Arbeitsbelastung von 1800 Stunden pro Jahr ausgegangen. Hierin enthalten sind Lehrveranstaltungen, Prüfungen und die betriebliche Praxis. In der vorlesungsfreien Zeit des fünften Semesters wird die Projektarbeit und im sechsten Semester wird die Bachelor-Arbeit im Betrieb angefertigt.

Studium plus betriebliche Praxis

Die FH Dortmund trägt mit ihrer Planung der aktuellen Marktentwicklung, dem Fachkräftemangel und den neuen Anforderungen an Fach- und Führungskräfte im Servicesektor durch ein passgenaues, bedarfsorientiertes Bildungsangebot Rechnung. Dabei steht die Kooperation mit der Praxis im Vordergrund und führt zu einem starken Einbezug des Lernorts Betrieb in die Hochschulausbildung. Charakteristisch für das vorgesehene Modell ist die Anstellung und finanzielle Vergütung des Studierenden durch ein Unternehmen, das sich auf diese Weise frühzeitig seinen Ingenieurnachwuchs sichert. Die Studierenden arbeiten in ihrer vorlesungsfreien Zeit und während des Semesters (z.B. einen Tag pro Monat) im Betrieb und bearbeiten in ihren Seminar- und Projekt- sowie in ihren Bachelor-Arbeiten Fragestellungen ihres Vertragsunternehmens. Dadurch wird eine enge Verbindung zwischen Unternehmen und Studierendem sichergestellt.

Vorteile für Unternehmen und Studierende

Durch die intensiven Praxisphasen werden Fach- und Führungskräfte für die Bereiche Service- und IH-Management ausgebildet, die den steigenden Anforderungen in den Unternehmen gerecht werden. Dies ist von Vorteil für die Industrieunternehmen, da sie anforderungsgerecht ausgebildetes Personal erhalten und sich ihren Führungsnachwuchs sichern. Für die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs bestehen mindestens ebenso große Vorteile, da sie durch Intensität und Praxisbezug des dualen Studiengangs hervorragende Chancen am Arbeitsmarkt besitzen. Denn sie sind aufgrund ihrer interdisziplinären Qualifizierung gesuchte Fach- und Führungskräfte. Diese praxisnahe Ausbildung befähigt sie, die Anforderungen an die technische Ausstattung im Unternehmen über den kompletten Lebenszyklus mit den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen in Einklang zu bringen. Des Weiteren erledigen sie die taktische und operative Planung, erarbeiten anforderungsgerechte Konzepte und sind ein wichtiger Kommunikator zu allen internen und externen Kunden und Lieferanten. Sie sind mit fundiertem Prozess-Know-how und mit einem hohen Maß an sozialer Kompetenz ausgestattet und können mit dem notwendigen Verhandlungsgeschick ihre vielseitigen und interessanten Aufgaben bewältigen. Nicht zuletzt ist die finanzielle Absicherung des Studiums durch eine vertragliche Vereinbarung mit einem Unternehmen ein entscheidendes Kriterium für die Wahl eines dualen Studiengangs. Denn nach einer aktuellen Umfrage können heute Studierende an Fachhochschulen ihr Studium in einem regulären Studiengang und ihren Unterhalt nur mit einem Nebenjob bestreiten, was zu einer Verlängerung des Studiums führt und ein ergebnisorientiertes Studium nicht zulässt.

Fazit

Mit den neuen Studienangeboten zum industriellen Servicemanagement wird eine Antwort auf den Fach- und Führungskräftemangel in diesem Bereich gegeben. Die Unternehmen sollten diese Chance nutzen und aktiv in Nachwuchskräfte investieren. Die momentane Wirtschaftskrise sollte sich nicht zu einer Ausbildungskrise ausweiten, da sich eine heutige Kosteneinsparung negativ auf die Zukunft auswirkt.

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