Erschienen in: A&D Juli/August 2009, S. 43
S&E  |   Interview

„Richtiger Schritt für beide Seiten“

Im A&D-Interview: Gerhard Lipski, CEO USA & General Manager Europe, Zuken

A&D: Zuken hat vor fast drei Jahren das Unternehmen Cim-Team akquiriert. Welche Gründe sprachen für die Übernahme?

Lipski: Zuken kommt aus dem Bereich Elektronik. Der Fokus lag auf Engineering-Tools für Packaging und Leiterplatten-Design. In Japan hat das Unternehmen schon früh begonnen, ein Produkt für den Cabling-Bereich zu entwickeln. Diese Lösung war allerdings nicht für die Automatisierung, sondern für klassische Kabelbäume in Fahrzeugen konzipiert. Cabling war für Zuken also einerseits nichts Neues. Jedoch waren die Anforderungen in den westlichen Märkten anders gelagert. Hinzu kamen Projektanfragen aus anderen Bereichen, wie der Automatisierungstechnik. Das erforderte eine Lösung, die Zuken bisher nicht zur Verfügung stand. So sind wir auf Cim-Team gestoßen und die Akquisition wurde initiert. Heute bieten wir also beide Cabling-Tools an.

Welches Resümee können Sie heute ziehen?

Die Akquisition war der richtige Schritt für beide Seiten. Cim-Team wurde samt seiner Engineering-Lösung, bei Zuken heute der Bereich E³, und der Belegschaft in Zuken integriert. Dabei hat es keine Opfer gegeben. Oftmals bleiben bei Übernahmen die administrativen Abteilungen auf der Strecke. Das war hier nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: wir konnten seit der Akquise das E³-series-Geschäft verdoppeln und dadurch auch die Mitarbeiterzahl deutlich erhöhen. Die Akquisition hat einwandfrei funktioniert.

Hat sich Ihre Kundensituation durch die Akquise verändert?

Die Integration macht sich an zwei Stellen besonders bemerkbar. Zum einen überlappen bei einem Teil der Kunden die Bereiche Elektronik und Elektrotechnik. Viele große Unternehmen setzen dadurch heute sowohl die Leiterplatten- als auch die Cabling-Lösung von Zuken ein. Zum anderen hatte Cim-Team, als lokaler Anbieter mit 65 Mitarbeitern, in der Vergangenheit 75 Prozent des Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet. Wir waren über das Zuken-Netz in der Lage, international deutlich bestimmter aufzutreten. Gerade in den USA haben wir mit E³-series einen sehr großen Sprung nach vorne gemacht und konnten große Kunden gewinnen. Nach erfolgreicher Ausweitung des Geschäfts in Europa und den USA ist das Maschinenbau- und Automatisierungs-Tool in diesem Jahr auch in Japan eingeführt worden.

Hat der japanische Markt diese europäische Lösung akzeptiert?

Dieses Problem stellte sich gar nicht. Zuken hat in Japan bei der Elektronikentwicklung einen Marktanteil von über 50 Prozent. Daher haben die meisten der Kunden, mit denen wir dort über die neue Cabling-Lösung sprechen, schon Geschäftskontakte zum Unternehmen im Bereich Elektronik.

Ihr Portfolio hat sich mit E³ deutlich erweitert. In welche Richtung planen Sie einen weiteren Ausbau des Angebots?

3D ist ein wichtiges Thema. Dafür gibt es bereits Kooperationen mit den großen Anbietern in Europa und USA. Teilweise bieten wir aber auch hier eigene Lösungen an. Auch in E³-series gibt es eine punktuelle 3D-Lösung für spezielle Bereiche. Ein anderes wichtiges Thema ist Daten- und Library-Management. Hier hat Zuken seit langem eine eigene Lösung speziell für den Elektronikbereich. Die integrieren wir auch in E³-series. Weitere Schlagworte sind beispielsweise die elektrische Simulation von Signalen, Cross Talk und anderen Parametern elektrischer Leitungen und Kabelbäumen.

Wie nehmen Sie die aktuelle Konjunkturlage wahr?

Der Investitionsrückgang ist bei weitem nicht so schlecht, wie es an die Wand gemalt wird. Es gibt nach wie vor stark wachsende Industriebereiche. Man darf nicht gleich mitheulen und im Kollektiv die Situation schlechter reden, als sie wirklich ist. Sicher gibt es Branchen, in denen es momentan nicht gut läuft. Doch darf man jetzt nicht depressiv werden. Ganz im Gegenteil: Unternehmer sollten sich aktiv vorbereiten, um nach der Krise wieder mit dem Markt mithalten zu können. Selbst im Automobilbau, bei dem die Entwicklungszyklen einige Jahre betragen, verschieben sich einige Projekte, aber trotzdem wird kräftig weiter geplant und gearbeitet.

Spüren Sie keine verstärkte Investitionsbereitschaft?

In der Automobilbranche und im Maschinenbau sehen wir, besonders in Deutschland, einen starken Rückgang. Deswegen setzen wir aktuell spezielle Trainingsprogramme auf. Damit können Kunden den Produktionsrückgang nutzen um ihre Mitarbeiter weiterzubilden. In den letzten Jahren wurde viel in aufwendige Software-Tools investiert. Doch waren die Mitarbeiter in Entwicklung und Produktion oft so ausgelastet, dass sie keine Zeit für Schulungen hatten. Darüber hinaus suchen wir jetzt stark den Dialog mit dem Kunden: was ist zu optimieren, damit das Unternehmen bei einer wieder anziehenden Konjunktur weiterhin wettbewerbsfähig ist. Kunden-Feedback bestätigt: der jetzige Zeitpunkt bietet sich an, um Abläufe und Prozesse zu prüfen. Dennoch fällt ein Teil der möglichen Projekte dem „Krisen-Rotstift“ zu Opfer.

Wie schnell rechnet sich denn der Einsatz von CAE- und EDA-Systemen?

Manche Kunden wollen die Investition innerhalb eines Jahres amortisieren. Das ist ein sehr ehrgeiziges Vorhaben. Wir sehen einen Abschreibungszeitraum von anderthalb bis zwei Jahre als realistischen Zeitrahmen. Auch gibt es einen Unterschied, ob man eine solche Lösung neu einführt, oder ob das neue System einen Vorgänger ablöst. Bei letzterem sind die Investition in die Software und deren Implementierung ja nur ein Teil. Der größere Aufwand liegt hier in der Konvertierung der Altdaten und der Integration ins bestehende Firmennetz. Doch meist können wir schnell nachweisen, dass trotz Amortisation der Entwicklungsprozess insgesamt günstiger wird.[mbay]

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